Gesundheit stärken – auch bei Arbeitslosigkeit

Jobcenter Mühlhausen schließt thüringenweit erste Kooperationsvereinbarung zur Verzahnung von Arbeits- und GesundheitsförderungArbeitslosigkeit und Gesundheit beeinflussen sich gegenseitig: anhaltende Arbeitslosigkeit ist ein erheblicher gesundheitlicher Risikofaktor; zugleich ist ein beruflicher Wiedereinstieg für gesundheitlich eingeschränkte Erwerbslose erschwert. Aus diesem Grund wurde ein Modell-projekt zur Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung eingerichtet und über 2 Jahre bundesweit in 6 Jobcentern erprobt. Nach den positiven Erfahrungen wird das Projekt auf fast 60 Standorte erweitert. Das Jobcenter Unstrut-Hainich-Kreis wurde für die neue Projektphase ausgewählt. „In dieser Form gab es eine solche Verzahnung noch nicht. Nachhaltige und er-folgreiche Integration in Arbeit funktioniert nur, wenn auch die gesundheitliche Verfassung stabil ist", betont Geschäftsführerin Ingrid Richter.

Fester Bestandteil des neuen Beratungs- und Vermittlungsangebotes ist es, Arbeitslose für entsprechende Angebote z. B. zur Stressbewältigung, zur gesunden Ernährung und Bewegung, zu sensibilisieren und die Motivation zur Teilnahme zu stärken. Dafür sind die Vermitt-lungs- und Beratungsfachkräfte speziell geschult. Arbeitsuchende, die Interesse zeigen, können an einem eigens für diese Zielgruppe entwickelten Präventionskurs teilnehmen, bei dem die Stärkung der Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit im Vordergrund steht. Die Teilnahme an dem Angebot ist freiwillig, die Kosten tragen die Krankenkassen.

Lebensqualität zurückgeben
„Als Vertreter der gesetzlichen Krankenversicherung geht es uns darum, die Menschen zu motivieren, aktiver zu sein und ohne Scheu die Angebote der Gesundheitsförderung wahrzu-nehmen, damit der leider häufige Kreislauf zwischen Arbeitslosigkeit und Krankheit aufgebro-chen wird", sagt Thomas Fabisch, Regionalgeschäftsführer der AOK PLUS zur Vertragsunterzeichnung.

Erfolgreiches Modellprojekt
Ausgangspunkt für das aktuelle Projekt zur Gesundheitsförderung von Arbeitslosen war ein Modellprojekt der Bundesagentur für Arbeit (BA) und des GKV-Spitzenverbandes. Von Juni 2014 bis Juni 2015 war an sechs Standorten die Verzahnung von Arbeits- und Gesundheitsförderung erfolgreich erprobt worden.

Gesundheitsrisiko Arbeitslosigkeit
Anhaltende Arbeitslosigkeit ist nachweislich ein gesundheitlicher Risikofaktor. Arbeitssuchende sind öfter und länger in stationärer Behandlung; ihnen werden öfter Arzneimittel verordnet als anderen Versicherten. Obwohl gerade Arbeitssuchende Präventionsmaßnahmen bräuchten, um ihre Gesundheit zu erhalten, nutzt diese Gruppe die vorhandenen Angebote der Krankenkassen seltener. „Insgesamt 1486 (47%), der 3174 aktuell arbeitlos gemeldeten Kunden des Jobcenters, geben gesundheitliche Beeinträchtigungen an", informiert Ingrid Richter. Damit die Betroffenen dieser Situation entkommen oder gar nicht erst hineingeraten, wollen das Jobcenter und die gesetzlichen Krankenkassen, hierbei federführend die AOK PLUS, mit den neuen Kooperationsvereinbarungen diesen Kreislauf durchbrechen. Das gemeinsame Ziel ist es, die von den Erwerbslosen als belastend empfundene Lebenssituation besser zu meistern. Zugleich soll ihnen der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert werden.

Bundesweite Kooperationen
Gesetzliche Krankenkassen kooperieren seit Dezember 2016 mit fast 60 Jobcentern und Ar-beitsagenturen in allen 16 Bundesländern, um die Arbeits- und Gesundheitsförderung systematisch zu verzahnen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unterstützt die Aktivitäten der Krankenkassen im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrages. Die gesetzliche Krankenversicherung stellt für die Präventionsmaßnahmen, die Betreuung der Projekte sowie für die wissenschaftliche Untersuchung über acht Millionen Euro in den kommenden zwei Jahren bereit. Weitere Standorte in Thüringen sind Nordhausen, Sondershausen, Saalfeld-Rudolstadt. In der zweiten Jahreshälfte 2017 soll das Projekt auf weitere interessierte Standorte im gesamten Bundesgebiet ausgeweitet werden.

 

12.06.2017

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